Naturheilkunde und Kräutermedizin | 18. November 2024 | © by AYU

Die richtige Dosierung und regelmäßige Kontrolle von Naturheilmitteln

Die richtige Dosierung und regelmäßige Kontrolle von Naturheilmitteln

Eine Verbindung von Ayurveda und moderner Medizin

Naturheilmittel sind seit Jahrtausenden ein fester Bestandteil der Heilkunde und finden sich in vielen Traditionen weltweit. Immer mehr Menschen suchen heute nach ganzheitlichen und sanften Alternativen zur Schulmedizin, wodurch traditionelle Heilmethoden einen Aufschwung erleben. Die richtige Dosierung und Kontrolle spielen auch in der Naturheilkunde eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Therapie. Besonders im Ayurveda, einem der ältesten Medizinsysteme der Welt, wird großer Wert auf die individuelle Anpassung der Dosis sowie die ganzheitliche Betrachtung des Menschen gelegt – Körper, Geist und Gewebe.

Dieser Blogartikel gibt einen umfassenden Einblick in die Bedeutung der richtigen Dosierung und Anpassung von Naturheilmitteln, erklärt die Prinzipien des Ayurveda im Zusammenhang mit der Wirkung von natürlichen Heilmitteln auf die Gewebeebenen (Dhatus) und zeigt Parallelen zur Schulmedizin auf.
 

Die Bedeutung der Dosierung in der Naturheilkunde

Die Dosierung ist ein wichtiger Bestandteil jeder Therapie – sowohl in der Schulmedizin als auch in der Naturheilkunde. In der Naturheilkunde liegt der Fokus oft auf sanfteren, langfristigen Ansätzen, die den Körper schrittweise unterstützen. Auch ein natürliches Heilmittel kann jedoch bei falscher Dosierung schädlich sein oder nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

In der Naturheilkunde wird die Dosierung meist individuell festgelegt und berücksichtigt den Zustand des Patienten, seine Konstitution (im Ayurveda als Dosha bezeichnet), sein Alter, seinen Stoffwechsel und die Art der Beschwerden. Anders als in der Schulmedizin, die oft Standarddosierungen für eine große Zahl von Patienten anwendet, zielt die Naturheilkunde auf eine maßgeschneiderte Therapie ab.

Der Einfluss der Pharmaindustrie auf Naturheilmittel

Die Pharmaindustrie hat seit jeher ein großes Interesse daran, die Wirkstoffe aus Naturheilmitteln zu isolieren und synthetisch nachzubilden. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die therapeutischen Eigenschaften zu nutzen, sie gezielt zu verstärken und reproduzierbar zu machen. Doch trotz intensiver Bemühungen können pharmakologisch hergestellte Medikamente oft nicht die therapeutische Breite und Tiefe der natürlichen Präparate erreichen. Natürliche Heilmittel wirken in ihrer Gesamtheit, da sie eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen enthalten, die in komplexer Wechselwirkung miteinander stehen. Dieser synergetische Effekt ist schwer zu kopieren.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass jedes, wirklich jedes Arzneimittel seinen Ursprung in der Natur hat. Die Natur ist das Vorbild für die Wirkmechanismen, die wir heute in der modernen Medizin nutzen. Ob pflanzliche Wirkstoffe, mineralische Substanzen oder tierische Ausgangsstoffe – alle stammen letztendlich aus der Natur. Das verdeutlicht, wie eng wir Menschen mit der Natur verbunden sind: Wir entspringen vollständig ihrem Ursprung und sind untrennbar Teil ihres ganzheitlichen Systems.

Es ist jedoch wichtig anzuerkennen, dass pharmazeutisch hergestellte Arzneimittel eine entscheidende Daseinsberechtigung haben. Sie sind oft hochwirksam, lebensrettend und in akuten Situationen unersetzlich. Darüber hinaus hat die Forschung und Entwicklung in der pharmazeutischen Industrie einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Wirkung und der Mechanismen von natürlichen Heilmitteln geleistet. Viele Erkenntnisse, die früher nur durch Beobachtung gewonnen wurden, konnten durch wissenschaftliche Studien vertieft und erklärt werden.

Dennoch bleibt eines klar: „Oft versucht zu kopieren, aber nichts kommt an das natürliche Produkt heran.“

Ayurveda und die Wirkung auf die Gewebeebenen

Im Ayurveda wird der menschliche Körper ganzheitlich betrachtet. Hier spielen nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen der Krankheit, die psychische Verfassung und die energetische Balance des Patienten eine Rolle. Ein zentrales Konzept ist das Verständnis der Gewebeebenen, auch bekannt als Dhatus.

Die sieben Dhatus

Im Ayurveda besteht der Körper aus sieben Gewebearten, die alle eng miteinander verbunden sind:

1. Rasa (Plasma, Lymphe) – das aus der Nahrung gebildet wird

2. Rakta (Blut) – das zweite Gewebe, das Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen transportiert

3. Mamsa (Muskelgewebe) – verantwortlich für Bewegung und Stabilität des Körpers

4. Meda (Fettgewebe) – dient als Energiespeicher und Schutz

5. Asthi (Knochen) – bildet das strukturelle Gerüst des Körpers

6. Majja (Knochenmark, Nervengewebe) – produziert Blutzellen und überträgt Nervenimpulse

7. Shukra (Fortpflanzungsgewebe) – für die Fortpflanzung verantwortlich

Natürliche Heilmittel wirken auf diese Gewebeebenen und helfen, die Balance der Doshas (Vata, Pitta, Kapha) wiederherzustellen. Jede Gewebeebene braucht etwa fünf Tage, um die Wirkung eines Mittels vollständig aufzunehmen. Dieser Prozess, genannt Dhatupārināma, beschreibt die Umwandlung der Nährstoffe in die verschiedenen Gewebe.

Wirkung von natürlichen Heilmitteln auf Körper und Geist

Natürliche Heilmittel im Ayurveda wirken meist gezielt auf eines oder mehrere der Dhatus. So können stärkende Kräuter wie Ashwagandha das Mamsa-Dhatu (Muskelgewebe) kräftigen und zugleich beruhigend auf das Majja-Dhatu (Nervengewebe) wirken. Dadurch wird nicht nur der Körper gestärkt, sondern auch der Geist beruhigt.

Durch die gezielte Anwendung von natürlichen Heilmitteln kann der gesamte Organismus regeneriert und harmonisiert werden. Diese Mittel wirken tief im Gewebe, beeinflussen den Stoffwechsel und die Zellregeneration. Ihre langanhaltende Wirkung basiert auf der regelmäßigen Einnahme über einen längeren Zeitraum.

Dhatuparinam: Die Stufen des Gewebeaufbaus im Ayurveda

Dhatuparinam beschreibt den Prozess der Transformation und Erneuerung der Gewebe im Ayurveda. Nahrung wird in verschiedene Stufen aufgeteilt und nacheinander in die sieben Dhatus umgewandelt. Dieser Prozess dauert etwa 35 Tage (7 Gewebe x 5 Tage pro Gewebe). Ein gesunder Dhatuparinam-Prozess stärkt den Körper auf allen Ebenen und bewahrt die Lebensenergie (Ojas), die als Essenz der Dhatus gilt.

Therapieanpassung während des Dhatuparinam

Während dieser Transformation kann es notwendig sein, Dosierung und Auswahl der Mittel regelmäßig anzupassen. Zu Beginn kann eine höhere Dosis nötig sein, um die ersten Gewebeebenen (Rasa und Rakta) zu beeinflussen. Später reicht oft eine geringere Dosis, da die Substanzen bereits tief in die Gewebe integriert sind. Dies erfordert viel Sensibilität und Erfahrung seitens des Therapeuten.

Parallelen zur Schulmedizin

Auch in der Schulmedizin ist die Dosierung wichtig. Medikamente werden in bestimmten Dosierungen verabreicht, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, wobei Faktoren wie Körpergewicht, Alter, Vorerkrankungen und Stoffwechsel berücksichtigt werden. Die Dosierung wird oft im Verlauf der Behandlung angepasst.

Medikamente sollen gezielt auf Körperfunktionen wirken, ähnlich wie natürliche Heilmittel im Ayurveda die Gewebeebenen ansprechen. Beispielsweise können entzündungshemmende Medikamente auf das Blutgewebe (Rakta) wirken, während Stärkungsmittel auf das Muskelgewebe (Mamsa) abzielen könnten.

Ganzheitliche Ansätze

Ein verbindendes Element zwischen Naturheilkunde und Schulmedizin ist die wachsende Erkenntnis, dass die Psyche einen großen Einfluss auf den Heilungsprozess hat. Während dies in der Naturheilkunde schon lange berücksichtigt wird, etwa durch Aromatherapie oder Meditation, berücksichtigt auch die Schulmedizin zunehmend psychische Faktoren, etwa durch Psychotherapie und Stressmanagement.

Zusammenfassung und Fazit

Die richtige Dosierung von Naturheilmitteln sowie die regelmäßige Kontrolle und Anpassung der Therapie sind essenzielle Bestandteile einer erfolgreichen naturheilkundlichen Behandlung. Im Ayurveda dauert es in der Regel 35 Tage, bis ein natürliches Heilmittel die sieben Gewebeebenen des Körpers durchlaufen hat. Während dieses Prozesses wird die Dosis je nach Fortschritt und Körperreaktion angepasst. Der ayurvedische Ansatz berücksichtigt dabei die Gewebeebenen des Körpers, um eine langfristige Heilung zu unterstützen.